08 Januar 2016 0

George Soros bedauert, Obama unterstützt zu haben: Für 2016 steht Hillary Clinton auf seiner Agenda

Von Andreas von Rétyi 

Quelle: info.kopp-verlag.de

Unter jüngst vom US-Außenministerium veröffentlichten, weiteren E-Mails von Hillary Clinton findet sich ein kurzes, aber sehr bemerkenswertes Schreiben. Daraus geht hervor, dass der Mega-Spekulant und Börsenguru George Soros ausdrücklich bedauerte, Barack Obama bei der Präsidentschaftswahl unterstützt zu haben. Schnell werden die Gründe klar: Soros fühlte sich durch Obama brüskiert. Denn trotz erheblicher Finanzspritzen ließ ihm der US-Präsident wenig Raum zur Einflussnahme. Mit Hillary Clinton als erster US-Präsidentin soll ab 2016 dann alles anders werden.

Foto: © Flickr/Heinrich-Böll-Stiftung

Im November 2016 wird in den USA ein neuer Präsident gewählt – oder die erste US-Präsidentin. Und wie immer wird auch diesmal das große Geld entscheiden, wer das Rennen macht und wer dann als Marionette an der Spitze stehen – oder besser, an den Fäden hängen darf.

Schon lange geht es heiß her um die nächste Wahl, und selbstverständlich mischt auch der mittlerweile 85-jährige Börsenguru George Soros wieder hinter den Kulissen mit. Kaum ein anderer Finanzpotentat zeigt sich politisch so aktiv wie Soros, der die Welt mit seinem immensen

Vermögen seit Jahrzehnten ganz in seinem Sinne zu verändern sucht. Mit seiner Förderung von Barack Obama gelang dem Milliardär allerdings nach eigener Aussage kein guter Griff.

Das geht aus einer kürzlich veröffentlichten Mail von Neera Tanden an Hillary Clinton hervor. Tanden ist Direktorin des Center for American Progress (CAP), einer vorgeblich nicht parteiischen politischen US-Denkfabrik, die allerdings klar dem demokratischen Lager zugerechnet und von George Soros gefördert wird.

Im Mai 2012 und somit zum Ende der ersten Amtszeit Obamas hin schrieb Tanden an die damals amtierende US-Außenministerin Hillary Clinton (unter dem schlichten Adressat »H«), um ihr über ein persönliches Gespräch mit George Soros zu berichten. Während eines Treffens des alsDemocracy Alliance bekannten Clubs superreicher Förderer der Demokraten saß Tanden neben Soros. Nachdem es um Themen wie Europa und China gegangen sei, sei das Gespräch auf Präsident Obama sowie auf Hillary Clinton gekommen, für die Tanden tätig war.

Soros sei voll des Lobes für die seinerzeitige Außenministerin gewesen und beeindruckt, »dass er Sie zu politischen Fragen immer anrufen oder treffen könne«, so der Inhalt jener Mail. Weiter schreibt Tanden: »Er sagt, er hat sich nie mit dem Präsidenten getroffen (obwohl ich annahm, dass dies der Fall war). Er erklärte, seine Entscheidung zu den Vorwahlen zu bedauern – er gestehe Fehler, die ihm unterliefen, gerne ein und dies sei einer davon. Dann sprach er begeistert von seiner  Arbeit mit Ihnen, von jener Zeit an, als Sie First Lady waren. Sicher haben Sie all dies bereits zuvor gehört, aber für den unwahrscheinlichen Fall, dass es Ihnen nicht bekannt sein sollte, wollte ich es Sie wissen lassen.«

Diese wenigen Zeilen lassen tief blicken.

Deutlich wird, wie so oft, mit welcher Selbstverständlichkeit sich Soros innerhalb der Politik positioniert und ungeniert vor allem den mangelnden Zugang zu Obama ins Feld führt. Er kritisiert nicht die Politik Obamas als solche, sondern die Beschränkung seiner Optionen auf persönliche Einflussnahme. Der Mega-Spekulant legt die Gewohnheit an den Tag, sich nach Belieben ins politische Geschäft einkaufen zu können, wobei er natürlich erwartet, als Sponsor entsprechend »gepflegt« zu werden. Laut Informationen im New Yorker zum Februar und August 2012 habe Soros seinerzeit rund fünf Millionen US-Dollar in den Wahlkampftopf für Obama geworfen und der Demokratischen Partei insgesamt weit höhere Summen zukommen lassen.

Doch seitens des späteren Präsidenten sei ihm das keinesfalls gedankt worden. Der New Yorkerzeichnet dies kurz vor der zweiten Amtszeit Obamas deutlich nach. Soros unterstütze Obama zwar weiterhin, sei von ihm aber doch enttäuscht, sowohl politisch als auch persönlich. »Kleine Kränkungen können bei wohlhabenden Spendern von großer Bedeutung sein«, so hieß es in dem 1925 gegründeten US-Magazin.

Und weiter: »Als Soros sich in Washington mit Obama treffen wollte, um globale ökonomische Probleme zu diskutieren, versäumte es Obamas Stab, zu antworten. Schließlich arrangierten sie kein Gespräch im Weißen Haus, sondern ein unauffälliges Treffen in New York, als der Präsident wegen anderer Angelegenheiten gerade in der Stadt war. Soros fand diese Abfertigung an der Hintertüre irritierend« und habe sich gekränkt gefühlt.

Einer Quelle zufolge wäre Soros bereit gewesen, deutlich mehr Geld fließen zu lassen, hätte ihn nur die Obama-Administration stärker involviert.

Diese Aussage scheint ziemlich eindeutig: Soros zielte darauf ab, sich nachhaltige politische Einflussnahme im Weißen Haus zu kaufen. Das funktionierte nicht im erwarteten Umfang, doch wie er sagt, respektiere er zum Teil die Haltung Obamas, ihm nicht mehr Zeit zu widmen.

»Dieser Präsident will nicht viel Zeit mit Sponsoren verbringen. Das muss man bewundern.« Soros realisiert diese Bewunderung sicherlich auf die ihm eigene Weise. ZeroHedge verweist im Kontext auf eine Liste jener Unternehmenschefs, die das Oval Office am meisten persönlich frequentierten und denen gleichsam das Weiße Haus gehöre.

Einen Namen enthalte diese Liste jedoch auffallenderweise nicht: den von George Soros. Vor den genannten Hintergründen kein größeres Wunder mehr. Überhaupt scheinen einige Politiker Treffen mit ihm lieber aus dem Weg zu gehen. Andere haben hier keine Berührungsängste, und genau zu dieser zweiten Gruppe zählt zweifelsohne auch Hillary Clinton. Soros unterstützt Clinton großzügig mit Spenden, unter anderem Priorities USA Action als pro Clinton ausgerichtetes, machtvolles Political Action Committee (PAC) oder auch die Clinton Foundation, um nur zwei Beispiele zu nennen.

Wenn Hillary Clinton nun wieder daran erinnert wird, was Soros schon 2012 sagte, dürfte dies zur Fehlerkorrektur gerade recht kommen, falls die Ex-US-Außenministerin im November 2016 tatsächlich gewählt werden sollte. Und so schlecht stehen ihre Chancen nicht. Die 2016 stattfindende Wahl des 45. Präsidenten der USA könnte gleich in mehrerlei Hinsicht einen historischen Wandel nach sich ziehen, während schon 2008 ein absolutes Novum mit sich brachte, in Gestalt des ersten afroamerikanischen US-Regierungschefs.

Nun stehen wiederum ungewöhnliche Konstellationen »zur Wahl« – sei es der erste US-Präsident, dessen Vater und Bruder ebenfalls bereits dieses Amt bekleideten, sei es der erste US-Präsident mit kubanischen Eltern, sei es vielleicht auch die erste US-Präsidentin oder aber jemand, der durch Super-PACs und »Dark Money Groups« mit aller Gewalt ins Amt manövriert wird.

Soros bemüht  sich schon länger in Worten und Taten darum, dass Hillary Clinton im November 2016 einen Sieg davonträgt. Kritische Beobachter sehen in ihr nichts als eine Marionette für Sonderinteressen, wie sie sich jener Börsenmagier im Oval Office durchzusetzen wünschte. Und das funktioniert nur mit der richtigen Person im Amt. Einer Person eben, die immer und jederzeit für ihn zu sprechen ist, um gewisse Probleme und Anliegen zu erörtern.

Es lässt sich kaum bestreiten, dass ein guter persönlicher Kontakt zum amtierenden US-Präsidenten, gleich welchen Geschlechts, durchaus beruhigend sein und sich sehr positiv auf allerlei Eigeninteressen auswirken kann.

Mit den Clintons verbinden Soros alte Bande. Autoren wie die Amerikanerin Anne Williamson erinnern unter anderem daran: »Die Clintons empfingen Soros mit offenen Armen. Soros erwies den Clintons seine Dienste und im Gegenzug gewährten sie ihm einen weiten Spielraum für seine geschäftlichen Unternehmungen im ehemaligen sowjetischen Block.

Soros dehnte unter Bill und Hillary nicht nur seinen Reichtum aus, er stimmte auch mit ihrem gegenkulturellen ›Zeitgeist‹ überein.«

Obama hat viele Menschen enttäuscht, darunter auch seinen Förderer Soros. In diesem besonderen Fall bestand die Enttäuschung darin, dass der US-Präsident keinen allzu intensiven Austausch mit dem Mega-Spekulanten suchte. Soros hat seinen eigenen Fehler erkannt und wird ihn, getreu den eigenen ehernen Grundsätzen, nicht erneut begehen.


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